Quelle: Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 29.09.2026 – 7 O 176/25
Worum ging es?
Eine Großmutter hatte in einem notariellen Testament vom Februar 2024 ihren beiden Enkelinnen jeweils die Hälfte ihres Sparguthabens vermacht. Ihre beiden Kinder blieben Erben. Eine Enkelin verlangte deshalb von ihnen die Auszahlung von 25.354,45 Euro. Der Sohn der Verstorbenen verweigerte die Zahlung. Er war überzeugt, dass seine Mutter wegen erheblicher geistiger Einschränkungen kein wirksames Testament mehr errichten konnte. Auch die vom Gericht beauftragte Sachverständige nahm eine mittelgradige Demenz und Testierunfähigkeit an. Das Landgericht hielt die Testierunfähigkeit dennoch nicht für ausreichend bewiesen und sprach der Enkelin den verlangten Betrag zu.
Wann ist jemand nicht mehr testierfähig?
Entscheidend ist, ob die betreffende Person beim Errichten des Testaments dessen Bedeutung und wesentliche Folgen verstehen und selbstbestimmt entscheiden kann. Eine schwere Erkrankung, Gedächtnisprobleme oder ein hoher Pflegebedarf reichen allein nicht aus. Nachgewiesen werden muss zusätzlich, dass die Beeinträchtigung gerade die für das Testament notwendigen Fähigkeiten ausschließt. Dafür müssen nicht sämtliche geistigen Fähigkeiten verloren gegangen sein; auch eine einzelne entscheidende Störung kann genügen. Umgekehrt muss eine Entscheidung weder besonders vernünftig sein noch den Vorstellungen der Angehörigen entsprechen. Auch Eigensinn, Misstrauen oder die Ablehnung ärztlicher Behandlungen bedeuten nicht automatisch Testierunfähigkeit.
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